Kleines Virenlexikon



ANSI-Bomben
ANSI-Bomben sind Sequenzen, welche in normale Texte eingebunden wurden. Bei der Anzeige des Textes wird die Tastaturbelegung verändert. Zunächst ein einfaches Beispiel: Betätigt der Anwender die Taste "g", erscheint "z" auf dem Bildschirm. Jedoch kann auch eine Taste mit "Format C:" + Return" auf eine Taste (z.B. "a") gesetzt werden. ANSI-Bomben benötigen jedoch den ANSI.SYS Treiber um aktiv werden zu können.

 

Construction-Kits
Construction-Kits sind keine Viren, sondern Programme (Generatoren), mit deren Hilfe auch ein "normaler" Anwender "eigene" Viren erzeugen bzw. generieren kann. Allerdings gelten diese Viren als recht primitiv und werden zuverlässig durch Virenscanner erkannt. Trotzdem kommen ständig neuen Viren aus solchen Generatoren in den Umlauf und stellen lediglich für User eine Gefahr da, die keinen Virenscanner auf ihrem System verwenden.

 

CMOS
Als CMOS bezeichnet man den externen Speicher eines Rechners, der mit Strom über eine extra Batterie versorgt wird. Hier werden wichtige Informationen wie Uhrzeit, Datum, Größe des DOS-RAM, Festplattenwerte etc. gespeichert. Ein Virus kann sich in diesem Bereich nicht aktiv speichern oder starten. Jedoch gibt es Viren, die das CMOS löschen oder manipulieren. Diese Art von Viren bezeichnet man auch als "CMOS-Viren", welche als sehr gefährlich einzustufen sind.

 

Companion-Viren (Split-Viren)
Diese Viren machen sich die DOS-Eigenschaft zu nutze, dass Programme mit der Endung.com stets vor einem gleichnamigen Programm mit der Endung .exe gestartet werden. Meist fallen diese .com-Dateien insofern nicht auf, da sie als „hidden“ versteckt werden. Solche Dateien werden in der Regel nicht angezeigt.

Diese Viren können einfach entfernt werden, da man diese COM-Dateien nur zu löschen braucht.

 

Dateiviren
Diese Viren befallen ausführbare Dateien. Meist befindet sich am Anfang einer infizierten Datei ein Zeiger (Sprunganweisung). - Wird die infizierte Datei nun ausführt, springt zunächst der Zeiger blitzschnell an den Anfang des Viruscodes (der sich in der Regel am Ende der infizierten Datei befindet) führt diesen aus und springt zurück zum Anfang des eigentlichen Programms.

Erst danach startet das normale Programm. Üblicherweise geht dieser Vorgang so schnell von statten, dass es dem Anwender kaum auffallen wird. Viele dieser Viren hängen ihren Code einfach hinten an das zu infizierende Programm, einige löschen jedoch auch "alten Programmcode" und hängen sich dann an diese Datei.

 

Direct Action Viren
Diese Art von Viren sind/werden nicht speicherresident (laufen also nicht ständig im Hintergrund eines Systems mit). Wird ein solcher Virus aktiviert, sucht er sofort nach anderen Programmen, die er infizieren kann.

Zur Erstellung von Direct Action Viren bedarf es nicht allzu hoher Fachkenntnisse, daher sind sie trotz geringer Verbreitung recht zahlreich.

 

DIR-Viren / Verzeichnis-Viren
Dieser Typ von Virus manipuliert direkt die DOS-Verzeichnisse und keine Sektoren oder Dateien. Diese Vorgehensweise hat zur Folge, dass diese Viren sich rasend schnell ausbreiten, da schon ein DIR-Befehl ausreicht, dieses Verzeichnis komplett zu infizieren.

 

Fast Infector
Schon beim Öffnen bzw. Schließen einer Datei werden diese durch Fast Infector Viren infiziert. Startet der Anwender einen Virenscanner, während sich ein solcher Virus aktiv im System befindet, können nach dem Scannvorgang nahezu alle Datei auf einem System infiziert sein. Fast Infectors verbreiten sich daher wie ein Lauffeuer auf einem betroffenen System.

 

Header-Viren
Dieser Viren-Typ infiziert Programme über direkte Sektormanipulationen mittels INT13h. Also nicht wie sonst üblich über den INT21h. Es werden allerdings nur EXE-Dateien infiziert, die einen "leeren" Programmkopf besitzen und kleiner als 64 KB sind. Da solche Dateien recht selten sind, haben Header-Viren heutzutage geringe Verbreitungschancen.

 

HLL-Viren
In diese Kategorie fallen alle Viren, welche mit Hochsprachen erzeugt wurden. Hier unterscheidet man unter HLLT (Trojan), HLLP (Parasitic), HLLC (Companion) und HLLO (Overwriting) -Viren. HLLO-Viren treten recht häufig auf, da diese einfach zu programmieren sind. HLLP-Viren dagegen sind sehr selten, da die notwendigen Codes in Hochsprache schwierig zu programmieren sind.

 

Hoaxe
Unter Hoaxen versteht man Meldungen über Malware (also Trojaner, Viren, Würmer usw.) die es gar nicht gibt.
Immer wieder werden Mailboxen mit derartigen Meldungen verstopft.

Besonders beliebt sind Meldungen mit dem Inhalt, dass eine Mail mit einem bestimmten Betreff in keinem Fall geöffnet werden darf. Wer diese Mail dennoch öffnet, infiziert angeblich sein System sofort mit einem Virus oder einem Trojanischen Pferd.

Den einzigen realen Schaden, den solche Meldungen verursachen, ist die Tatsache, dass Mailsysteme verstopft und ahnungslose Leute in Panik versetzt werden.

 

HTML-Viren
HTML-Viren sind genau genommen keine in HTML geschriebenen Viren, sondern in HTML-Seiten eingebettete Viren in Scriptsprache.

Diese Viren funktionieren nur auf Windows-Systemen bzw. nur wenn der Windows Scripting Host auf dem System installiert ist.

Es können nicht nur HTML-Dateien, sondern auch HTA-,VBS und DOC-Dateien infiziert werden. Dies ist abhängig vom jeweiligen Virus und kann somit zugleich auch unter die Kategorie Makroviren fallen.

 

In the wild (ITW) - Viren in freier Wildbahn
Unter diesen Begriff fallen Viren, die immer wieder in "freier Wildbahn" anzutreffen sind. Das bedeutet: Auf infizierten System sind immer wieder diese Viren anzutreffen. Es gibt zwar viele, viele tausende von Viren, jedoch wird der größte Teil davon so gut wie nie auf einem infiziertem System gefunden. Oft handelt es sich auch um Viren, die gar nicht mal so neu oder trickreich sind. Viele dieser Viren werden selbst durch ältere Anti-Viren Programme erkannt. Trotzdem sind diese Viren (aus welchen Gründen auch immer) kaum auszurotten.

 

Java Viren
Der erste Java-Virus nannte sich "Strange-Brew". Jedoch ging von diesem Virus kaum eine Bedrohung aus, da der Virus zu inkompatibel war und somit auf fast keiner Java-Implentierung lief. Da Java über ein recht gutes Sicherheitskonzept verfügt, sind Java-Viren viel zu komplex und zu ineffektiv um für Virenprogrammierer wirklich reizvoll zu sein.

 

Kernel-Viren
Diese Sorte von Viren infiziert zunächst bestimmt Programme eines Betriebssystems. Es handelt sich um eine Art Mischung aus DIR- u. Bootsektorviren.


 

Killerprogramme
Unter Killerprogrammen versteht man Viren, welche nach einer bestimmten Anzahl von Infektionen eine Aktion auslösen.

Der "interne Zähler" dieser Viren zählt von einem festgelegten Wert bis auf "null" herunter. Nachdem das geschehen ist, kommt es auf den jeweiligen Virus an, was nun passiert.

Meistens werden die Daten eines Systems gelöscht oder unbrauchbar gemacht. Es kann z.B. der "Format"-Befehl aufgerufen und durch den Virus bestätigt werden. Andere Viren löschen ohne Nachfrage willkürlich Daten.

Weitere Versionen sind aufgetaucht, welche die FAT-Einträge einer Festplatte änderten. Somit sind zwar noch sämtliche Daten auf der Festplatte vorhanden, jedoch sind diese weder les- noch verwendbar.

 

Laborviren / Research-Viren
Unter den Begriff Laborviren fallen solche Viren, die in der "freien Wildbahn" quasi nie anzutreffen sind. Diese Viren wurden Virenforschern zugespielt und befinden sich nur in deren Laboren. Der größte Teil aller Viren ist als Laborviren zu bezeichnen.

 

Makro Viren
Makro-Viren gibt es noch nicht so lange wie die "herkömmlichen" Virenarten.

Viele Textverarbeitungsprogramme wie z.B. MS Word nutzen zur Automatisierung von Aufgaben die an Basic angelehnte Makrosprache. Diese Programmiersprache ist recht einfach erlernbar. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass Makroviren heute weitaus öfter anzutreffen sind, als andere Viren. Vom Prinzip her sind Makroviren ebenfalls Dateiviren. Allerdings werden hier nur Dokumente infiziert und keine Programme. Es gibt jedoch nicht nur Makroviren, die Word-Dokumente (also .doc-Dateien) infizieren, sondern z.B. auch Excel-Viren uvm. Die Makrosprache erlaubt recht mächtige Funktionen bzw. kann automatisch zahlreiche Aufgaben erledigen.

 

Partitionsviren
Diese Viren verändern die Partition direkt oder die Angaben des ersten logische Sektors und werden bei jedem Systemstart sofort aktiv. Einen solchen Virus kann man nicht durch das Formatieren einer Festplatte entfernen. Meist reicht schon ein Aufruf von "FDISK/MBR" von einer sauberen Bootdiskette aus um den Virus zu entfernen.

 

Polymorphe Viren
Früher reichte es den Herstellern von Anti-Viren-Programmen, wenn der Code (bzw. die Bytefolge) eines Virus analysiert und als Virendefinition in einer Datenbank des Virenscanners als "Vergleichliste" für Scannvorgänge abgelegt wurde.

Die Erkennungsraten der Virenscanner waren recht hoch, da diese Datenbanken ständig aktualisiert wurden.

Die Virenprogrammierer entwickelten jedoch ihrerseits Methoden, sodass "ihr" Virus gar nicht oder nur schwer durch Virenscanner erkannt werden kann.

In Polymorphen Viren werden Codeveränderung oder Codeverschlüsselungen verwendet. Diese Viren verschlüsseln dabei den eigentlichen Code mit einem veränderlichen Schlüssel. Die Entschlüsselungsroutine bleibt jedoch unverschlüsselt im Viruscode. Damit Virenscanner nun nicht einen Virus anhand ihrer Entschlüsselungsroutine identifizieren, werden diese Routinen automatisch bei jeder Infektion soweit verändert, dass anhand der Bytefolge keine Identifizierung mehr möglich ist. Die Funktion der Verschlüsselungsroutine wird dadurch natürlich nicht beeinträchtigt.

 

Retroviren
Dieser "Spezialvirus" ist darauf aus Anti-Viren-Programme anzugreifen. Hierbei reicht die Bandbreite der Möglichkeiten von „außer Gefecht setzen“ bis zu „gezielter Manipulation der Software“.

Retroviren können z.B. einen Virenscanner dahingehend verändern, dass dieses Programm zwar noch einen Scannvorgang durchführen kann, jedoch gar nicht mehr nach Viren sucht.

Die Viren täuschen dem Nutzer dann eine Sicherheit vor, die es gar nicht gibt.

Einige Viren sind zusätzlich zu ihrer eigentlichen Funktion Retroviren, um sich vor Scannern zu „schützen“.

 

Script-Viren
Der erste Virus dieser Art hieß: "Winscript Rabbit" und bedient sich der Script-Sprache VB-Script aus dem Hause Microsoft. Neuere Versionen infizieren nicht nur VB-Scripts, sondern auch Netscape kompatible Java Scripts.

Befindet sich ein solcher Virus einmal auf dem System, werden alle Script-Dateien im Browser-Cache infiziert und der Virus kopiert sich sogar auf den Desktop. Der erstaunte Anwender bekommt z.B. lustige Icons auf seinem Bildschirm zu Gesicht. Script-Viren funktionieren allerdings nur unter Windows-Systemen bzw. auf Rechnern, auf denen der Windows Scripting Host installiert wurde.

 

Slack Viren
Der Slack-Bereich ist der Platz eines Clusters, der durch eine Datei nicht ausgefüllt wurde. Nehmen wir an, ein Cluster ist 8192 Bytes gross, die Datei jedoch nur 7000 Bytes, bleiben noch 1192 als Slack übrig.

Genau diesen freien Platz nutzen sogenannte Slack-Viren um sich unauffällig einzunisten.

Da die Größe einer Datei nicht verändert wird, fallen sie dem Anwender nicht so leicht auf. Durch Defragmentierung wird dieser Virus recht einfach entfernt.

 

Slow Infector-Viren
Slow Infector-Viren sind vom Prinzip her das Gegenteil von "Fast Infector-Viren", da diese sich (wie der Name bereits vermuten lässt) nur langsam verbreiten.

Diese Art von Viren infiziert lediglich beim Erstellen oder Schreiben von Programmen Dateien. Diese Technik hat den Hintergrund, Prüfsummenprogramme und residente Wächterprogramme auszutricksen.

Da die Datei ja erst erstellt wird, liegt somit auch keine Prüfsumme vor. Diese Viren sind jedoch relativ selten. Fast Infector-Viren treten dagegen sehr häufig in Erscheinung.

 

Stealthviren / Tarnkappenviren
Hier unterscheidet man zwischen Semi- und Vollstealth-Viren.

Vollstealth-Viren verbergen die Tatsache, dass infiziert Dateien oder Sektoren verlängert/verändert wurden. Somit können Virensuchprogramme und Prüfsummen-Checker getäuscht werden.

Semistealth-Viren unterscheiden sich im Gegensatz zu Vollstealth-Viren darin, dass lediglich die Dateiverlängerungen verborgen werden und nicht die Dateiveränderungen.

 

TSR-Dateiviren
Diese Viren-Art ist besonders häufig anzutreffen. In der Regel (in über 99% der Fälle) werden .com und .exe - Dateien befallen, es gibt jedoch auch einige dieser Viren, die Gerätetreiber und Überlagerungsdateien infizieren.

Ein TSR-Virus verbreitet sich auf einem System, indem ein infiziertes Programm (sei es durch Download aus dem Internet, Disketten/CD´s von Bekannten oder woher auch immer) ausgeführt wird. Der Virus wird dann speicherresident (d. h. er befindet sich im Arbeitsspeicher bzw. läuft im Hintergrund es Systems mit) und wartet darauf, dass der Anwender ein bisher nicht infiziertes Programm öffnet. Geschieht dies, wird auch dieses Programm infiziert. Das geht praktisch so lange, bis alle Programme auf einem System infiziert sind.

 

Update-Viren
Update-Viren sind i.d.R. einer ganzen Viren-Familie zuzuordnen. Meist werden diese von einem einzigen Programmierer oder einer Gruppe erstellt. Neben ihrer eigentlich Funktion als Virus sind hier noch Update-Routinen zu finden. Diese überprüft ob der Virus schon vertreten ist und wenn ja in welcher Version. Ist die vorhandene Version älter, wird dieser durch die neue Version ersetzt. Falls die vorhandene Version schon neuer ist, wird diese Datei nicht noch einmal infiziert.

 

Überschreibende Viren (Overwriting)
Overwriting-Viren sind in ihrer Struktur zumeist die simpelste Virenart. Allerdings ist gerade diese Art von Viren besonders gefährlich, da sie stets Daten zerstört, indem diese entweder ganz oder zum Teil überschrieben werden. Es gibt winzige solcher Viren, die gerade einmal 23 Byte lang sind.

 

Zeitzünder
Es handelt sich hier um spezielle Auslösemechanismen, die eine Routine im eigentlichen Virus enthalten. In der Regel wird hierbei die Systemzeit (Uhrzeit, Datum etc.) abgefragt bzw. überwacht. Tritt der festgelegte Wert (z.B. ein Datum) ein, wird der Virus aktiv, wie z.B. der CIH-Virus, welcher am 26. eines Monats in Aktion tritt und Daten aus dem Bios-Chip überschreibt.

Theoretisch ist es somit möglich, einen Virus über Monate oder sogar Jahre auf einem System zu haben, ohne ihn zu bemerken.

 

 

 

Quellen:

 

http://www.incidents.org/react/nimda.pdf

http://www.symantec.com/

http://www3.ca.com/virus/

http://www.viruslist.com/eng/

http://www.europe.f-secure.com/v-descs/nimda.shtml
http://www.pchell.com/virus/prettypark.shtml

http://www.mcafee.com/anti-virus/virus_glossary.asp

 

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